Ja, Mai.

Bezeichnend mal wieder, wie in Bezug auf den 1. Mai in Berlin von manchen Medien die Sensation gesucht wird, auch wenn sie gar nicht da ist. Mein Frühschicht-Medienkonsum aus „Welt“ und der im selben Hause erscheinenden „B.Z.“ (sowie den Frühstücksfernsehberichten im Ersten und Sat.1, respektive) zeigt: Seriösen Medien ist es eine kurze Meldung wert, die sich in etwa als „Krawall ja, aber es wird immer weniger; nix Besonderes passiert“ zusammenfassen läßt.

Die Sensationspresse von Springer und das Privatfernsehen dagegen wollen’s gern plakativ und so war der Sat.1-Studiomoderator nach seiner geifernd anklagenden Frage an den Außenreporter sichtlich enttäuscht, dass der nur vermelden konnte, dass das Chaos äußerst harmlos ausgefallen war. Die „B.Z.“ schafft es, sich in springerscher Überheblichkeitstradition über Schaulustige zu mokieren, die am Kneipenfenster die Auseinandersetzungen verfolgten (“Na, wie schmeckt das Bier beim Krawallgucken?“), natürlich nicht, ohne selbst die schönsten Farbfotos in Überlebensgröße abzubilden.

Beste Bildunterschrift: Welt Online schreibt zu diesem Bild hier: „Der Mann mit Irokesenfrisur weiß offensichtlich nicht, dass Einkaufswagen nicht brennen.“

4 Responses to “Ja, Mai.”

  1. Andreas Says:

    Ja, ich beobachte schon seit längerer Zeit sehr fasziniert, daß die Bildunterschriften auf welt.de offensichtlich von jemandem ohne journalistische Vorbelastung, dafür aber mit erheblicher Narrenfreiheit getextet werden.

    Springer und Linke mögen sich schon seit so langer Zeit, daß das inzwischen unter Folklore fällt… Und jetzt zieht auch noch die B**d nach Berlin, um nächstes Jahr näher dran zu sein!

  2. philip Says:

    Besagter Artikel entstand wohl gestern Abend um 22:55 Uhr kurz vor Dienstschluss und ich kann auch einigermaßen verstehen, dass ein Redakteur, der zu so später Stunde 23 Bilder betexten muss, schon einen kleinen Lagerkoller hat.

  3. Andreas Says:

    Und was mag die Ausrede des Redakteurs sein, der am Montag frühmorgens alle 100 Fotos zum Artikel über die „100 sexiest women in the world“-Rangliste der FHM betexten durfte…? :-)

    (Wobei dort die zur Schau gestellte Flapsigkeit zugegebenermaßen nicht so tragisch ist wie bei echten Nachrichten.)

  4. philip Says:

    Das habe ich mich allerdings auch gefragt…

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