Archive for August, 2007

Eines ist doch sicher

Monday, August 6th, 2007

ich mag: „Neues vom Trickser“ von Tocotronic

ich mag nicht: DVDs ohne Untertitel (aktuell: Life on Mars. Manchester. 1973. Nuscheln.)

Eine Zeile Lebenslauf

Wednesday, August 1st, 2007

Erster August. Seit einigen Minuten bin ich nicht mehr Angestellter der Axel Springer AG (bzw. der Ullstein GmbH).

Der Grund dafür ist tatsächlich mein Text Apokalyptische Springreiter vom 12. Mai. Was da im Hause passiert war, hab ich ja damals aufgeschrieben. Es hat fast sechs Wochen gedauert, bis dies jemandem aufgefallen war. Das finde ich schon erstaunlich für eine Zeitungsgruppe, die gerne mit Begriffen wie Online First um sich wirft. Mir ist schon klar, dass das Web ein riesiger Misthaufen ist, in dem man nicht alles so leicht findet, vor allem, wenn man nicht danach sucht. Aber mein Beitrag war in den Kommentaren von Peter Schinks Artikel Löschen im Web 2.0 keine gute Idee verlinkt, außerdem schrieben, auch mit namentlicher Nennung, der Blogblick der Netzeitung, Stefan Niggemeier, Peter Turi und die Medienlese darüber. Technorati ist dein Freund.

Insofern kamen sich die freundlichen Verlagsmitarbeiter, die mich am 18. Juni über die Untragbarkeit meiner Person informierten, vermutlich veräppelt vor, als ich ihnen auf die Eingangsfrage, dass ich sicher wüsste, worum es jetzt gehe, verneinen musste. Ich hatte nämlich wirklich nicht damit gerechnet, dass es bei einem sechs Wochen alten Thema (das damit seit ca. 5 Wochen keinen mehr interessierte) noch etwas nachkommen würde.

Grund der Kündigung (die in den Papieren nun eine Auflösung des Vertragsverhältnisses im beiderseitigen Einvernehmen ist — mir soll’s recht sein) war übrigens nicht meine Meinung, nein Sir, die wird im Verlag überaus hoch geschätzt, hust, hust, sondern das kleine Bildchen, dass ich meinem Artikel illustrierend beigefügt hatte:

Es zeigt in der Tat einen verkleinerten Screenshot aus dem Welt-Debatte-CMS Drupal. Es sollte nicht verwechselt werden mit identischen Screenshots aus jeder anderen beliebigen Drupal-Installation oder gar einer fünfminütigen Photoshop-Bastelei. In dem Fall wäre es dann ja auch kein Verstoß gegen §5 Bundesdatenschutzgesetz, der die offizielle Begründung für meinen Rauswurf war. (Ich hätte mal besser „Symbolfoto“ dazu geschrieben.)

Eigentlich mag ich gar nicht mehr groß darüber schreiben. Für mich hat sich die Sache schon wochenlang erledigt und ich ärgere mich darüber kein bisschen. Der Hauptgrund ist der, dass mich die Arbeit bei Welt Online zeitlich stark beansprucht hat und ich einfach festgestellt habe, dass eine Nebentätigkeit diesen Umfangs neben meinem Studium nicht machbar ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich im März umgezogen bin und bis heute nicht fertig ausgepackt habe, ist mir doch klar geworden, dass ich lieber wieder etwas weniger Geld und dafür mehr Zeit haben möchte. Den Rauswurf bei der Welt habe ich daher auch ohne Gegenwehr hingenommen, da ich mir vermutlich ohnehin in einigen Monaten hätte eingestehen müssen, dass es zeitlich einfach alles nicht funktioniert.

Der Job an sich war angenehm. Die Zusammenarbeit mit meinen netten Mitarbeitern und Ansprechpartnern war sehr locker und freundlich und diese Menschen werden auch der Teil sein, den ich etwas vermissen werde. Wir haben uns gemeinsam durch diverse unterschiedlich miese Content-Mangegement-Systeme gekämpft und über verwirrte Leser und ihre Kommentare gemeckert.

(Dazu vielleicht irgendwann nochmal ein Besinnungsaufsatz. Es sei nur gesagt, dass Jörges vom „stern“ eigentlich Recht hat: Was wir in den anonymen Kommentaren bei Welt Online aus strafrechtlichen Gründen alles löschen mussten, ist nicht schön. Und bitte nicht gleich betroffen „Zensur“ kreischen. Eine Kommentarfunktion auf der Website eines Unternehmens ist nicht die freiheitliche Öffentlichkeit. Wenn man in letzterer dieselben Äußerungen tätigen würde, die wir lesen mussten, würde man recht schnell von der Polizei mitgenommen.)

Soviel dazu. Mehr will ich auf Springer auch gar nicht rumhacken, das ist ja auch irgendwie müßig und langweilig. Macht ja jeder und irgendwie muss ich mich da auch nicht noch einreihen. Ein Fazit nur, das hoffentlich nicht zu selbstgefällig klingt: Es wird schwierig bleiben für Verlage im Informationszeitalter, wenn Macht und Know-how weiterhin so diametral über die Hierarchie verteilt sind.