Zum 1. Juni ziehe ich um, zusammen mit Josi in eine nette 77-m2-Wohnung mit Balkon. Das war jedenfalls der Plan.
Am 19. März haben wir die Wohnung besichtigt, zusammen mit dem Angestellten des Ingenieurbüros, die vom Hauseigentümer mit der Renovierung beauftragt wurde. Geplante Renovierungsarbeiten: Elektrik komplett neu, neue Fußböden und natürlich alle Wände frisch gestrichen. Außerdem: Trennwand zwischen Speisekammer und Bad abreißen, dadurch das Bad vergrößern und komplett neu machen, sowie Einbau einer Küchenzeile und Renovierung der Küche. Das war auch schon alles fertig geplant, weil es schon mal einen Interessenten für die Wohnung gab, der denn kurzfristig abgesagt hätte.
So fein hätten wir es gar nicht gebraucht, aber da das die Bedingungen des Eigentümers waren, dachten wir, dass so eine schicke frische Wohnung ja auch nicht schlecht sei. Unser Wunscheinzugstermin 1. Mai war dadurch aber nicht zu halten, weil die fünf Wochen bis dahin nicht für die Arbeiten ausreichten. „Allein die Küche zu bestellen, dauert ja acht bis zehn Wochen.“, hieß es.
Okay, also Einzugstermin 1. Juni, zum Glück ließ Josis Vermieter da noch mit sich reden. Dem Ingenieur und dem Makler hatten wir kurz nach der Besichtigung schon unsere mündliche Zusage gegeben, die Renovierung konnte also starten; wenn nicht für uns, dann doch für den nächsten potentiellen Mieter.
Am 11. April traten wir dann zur Unterzeichnung des Mietvertrags an. Noch sieben Wochen bis zum Einzugstermin. Dem Renovierbeauftragten teilten wir das auch gleich noch per Mail mit, damit da kein Zweifel besteht, dass zum 1. Juni eingezogen wird.
Der war in den folgenden Wochen schwer zu erreichen, dabei wollten wir doch nur nachfragen, wie die Renovierung lief. Er hatte uns bei der Besichtigung schon gesagt, dass wir als künftige Mieter bei Detailfragen ein wenig mitbestimmen könnten; etwa, ob wir eine Wanne oder Dusche im Bad wollten oder ob eine andere Farbe als weiß an die Wände sollte. Wenn man ihn erreichte, waren irgendwelche Pläne gerade bei einem Architekten oder noch nicht fertig.
Vor zwei Wochen hieß es dann, als man endlich mal wieder telefonierte, die Planung sei jetzt endlich fertig. „Sie ziehen zum 1. Juni ein? Hm.“ Die Küche werde auf keinen Fall fertig sein. „Die zu bestellen, dauert ja allein acht bis zehn Wochen.“ Ach. Der Rest jedoch werde bezugsfertig sein.
Trotzdem mußten wir ein wenig weiterdrängen, um einigermaßen rechtzeitig zu erfahren, wann dann Wohnungsübergabe sei. Theroretisch müßten wir die Schlüssel ja auch nur bis zum 31. Mai abends bekommen, aber dann einen Umzug in Nullzeit durchzuführen, geht ja auch nicht. Da es sich bei der Arbeitsgeschwindigkeit der Beteiligten aber abzeichnete, dass diese tendenziell tatsächlich bis zum letzten Moment renovieren würden, bestanden wir darauf, zum 30. in die Wohnung zu kommen, um den 31. Mai noch für letzte Arbeiten in Josis alter Wohnung zu haben.
Es gab ein Hin und Her am Telefon, bei dem ich auch noch mal den Makler anrief, um seine Meinung zu erfahren. Der empfahl mir, den Ansprechpartner der Hausverwaltung anzurufen. Der zeigte sich wiederum überrascht, einerseits weil er die von ihm beauftragte Ingenieurfirma zuverlässig einschätzte, andererseits weil er meinte, nicht er, sondern der Makler sei bis zum Einzug federführend verantwortlich.
Dieser, der sich wirklich ehrlich bemüht in dem ganzen Spektakel, schlägt nun vorgestern folgendes vor: Es gibt in dem Wohnhaus noch eine zweite leerstehende Wohnung, die könnte man vor dem 1. Juni quasi als Zwischenlager benutzen, um Josis Möbel dort unterzustellen, bis wir sie dann zum 1. Juni in die richtige Wohnung bringen könnten. Fanden wir einen akzeptablen Kompromiss, nicht weil das jetzt unsere Wunschidee gewesen wäre, aber immer noch besser als auf die letzten zwei Tage im Monat Umzug und Anstreicharbeiten in der alten Wohnung zu machen. So können wir erst mal die Möbel wegbewegen, in Ruhe Josis Wohnung leeren und streichen und dann in Ruhe ein Wochenende danach wirklich umziehen.
Die Idee mutierte wohl über Nacht bei den Verantwortlichen, getragen von der Erkenntnis: Die Wohnung wird doch nicht zum 1. Juni fertig. (Tusch!) Also: Die andere leerstehende Wohnung (Hinterhaus, kein Balkon, alles andere noch unklar) wird nicht nur Möbellager vor dem 1. Juni, sondern auch erst mal Übergangswohnung nach dem 1. Juni. Groß auspacken werden wir dort wohl nicht, Telefon und Internet kann man sicher auch vergessen. Wann wir dann in die Wohnung können, zu der wir einen Mietvertrag haben, wissen wir noch nicht.
Natürlich sitzen wir nicht ohne Dach da und wir werden garantiert auch für diese Zwischenunterkunft so wenig bezahlen, wie wir durchsetzen können. Aber am Umziehen hängen ja nicht nur praktische Fragen, wie die, wann man den Umzugswagen mieten muss oder welcher Schrank wohin kommt. Es sind auch Träume damit verbunden, wie zum Beispiel im Sommer auf dem eigenen Balkon zu sitzen und sich nach und nach die Wohnung nach den eigenen Wünschen einzurichten. Da hat man seit Wochen Bilder im Kopf, die alle auf den 1. Juni projiziert werden. Dass das nun weiter verschoben wird, ist das eigentlich Traurige an der Sache.