Eine Zeile Lebenslauf

August 1st, 2007

Erster August. Seit einigen Minuten bin ich nicht mehr Angestellter der Axel Springer AG (bzw. der Ullstein GmbH).

Der Grund dafür ist tatsächlich mein Text Apokalyptische Springreiter vom 12. Mai. Was da im Hause passiert war, hab ich ja damals aufgeschrieben. Es hat fast sechs Wochen gedauert, bis dies jemandem aufgefallen war. Das finde ich schon erstaunlich für eine Zeitungsgruppe, die gerne mit Begriffen wie Online First um sich wirft. Mir ist schon klar, dass das Web ein riesiger Misthaufen ist, in dem man nicht alles so leicht findet, vor allem, wenn man nicht danach sucht. Aber mein Beitrag war in den Kommentaren von Peter Schinks Artikel Löschen im Web 2.0 keine gute Idee verlinkt, außerdem schrieben, auch mit namentlicher Nennung, der Blogblick der Netzeitung, Stefan Niggemeier, Peter Turi und die Medienlese darüber. Technorati ist dein Freund.

Insofern kamen sich die freundlichen Verlagsmitarbeiter, die mich am 18. Juni über die Untragbarkeit meiner Person informierten, vermutlich veräppelt vor, als ich ihnen auf die Eingangsfrage, dass ich sicher wüsste, worum es jetzt gehe, verneinen musste. Ich hatte nämlich wirklich nicht damit gerechnet, dass es bei einem sechs Wochen alten Thema (das damit seit ca. 5 Wochen keinen mehr interessierte) noch etwas nachkommen würde.

Grund der Kündigung (die in den Papieren nun eine Auflösung des Vertragsverhältnisses im beiderseitigen Einvernehmen ist — mir soll’s recht sein) war übrigens nicht meine Meinung, nein Sir, die wird im Verlag überaus hoch geschätzt, hust, hust, sondern das kleine Bildchen, dass ich meinem Artikel illustrierend beigefügt hatte:

Es zeigt in der Tat einen verkleinerten Screenshot aus dem Welt-Debatte-CMS Drupal. Es sollte nicht verwechselt werden mit identischen Screenshots aus jeder anderen beliebigen Drupal-Installation oder gar einer fünfminütigen Photoshop-Bastelei. In dem Fall wäre es dann ja auch kein Verstoß gegen §5 Bundesdatenschutzgesetz, der die offizielle Begründung für meinen Rauswurf war. (Ich hätte mal besser „Symbolfoto“ dazu geschrieben.)

Eigentlich mag ich gar nicht mehr groß darüber schreiben. Für mich hat sich die Sache schon wochenlang erledigt und ich ärgere mich darüber kein bisschen. Der Hauptgrund ist der, dass mich die Arbeit bei Welt Online zeitlich stark beansprucht hat und ich einfach festgestellt habe, dass eine Nebentätigkeit diesen Umfangs neben meinem Studium nicht machbar ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich im März umgezogen bin und bis heute nicht fertig ausgepackt habe, ist mir doch klar geworden, dass ich lieber wieder etwas weniger Geld und dafür mehr Zeit haben möchte. Den Rauswurf bei der Welt habe ich daher auch ohne Gegenwehr hingenommen, da ich mir vermutlich ohnehin in einigen Monaten hätte eingestehen müssen, dass es zeitlich einfach alles nicht funktioniert.

Der Job an sich war angenehm. Die Zusammenarbeit mit meinen netten Mitarbeitern und Ansprechpartnern war sehr locker und freundlich und diese Menschen werden auch der Teil sein, den ich etwas vermissen werde. Wir haben uns gemeinsam durch diverse unterschiedlich miese Content-Mangegement-Systeme gekämpft und über verwirrte Leser und ihre Kommentare gemeckert.

(Dazu vielleicht irgendwann nochmal ein Besinnungsaufsatz. Es sei nur gesagt, dass Jörges vom „stern“ eigentlich Recht hat: Was wir in den anonymen Kommentaren bei Welt Online aus strafrechtlichen Gründen alles löschen mussten, ist nicht schön. Und bitte nicht gleich betroffen „Zensur“ kreischen. Eine Kommentarfunktion auf der Website eines Unternehmens ist nicht die freiheitliche Öffentlichkeit. Wenn man in letzterer dieselben Äußerungen tätigen würde, die wir lesen mussten, würde man recht schnell von der Polizei mitgenommen.)

Soviel dazu. Mehr will ich auf Springer auch gar nicht rumhacken, das ist ja auch irgendwie müßig und langweilig. Macht ja jeder und irgendwie muss ich mich da auch nicht noch einreihen. Ein Fazit nur, das hoffentlich nicht zu selbstgefällig klingt: Es wird schwierig bleiben für Verlage im Informationszeitalter, wenn Macht und Know-how weiterhin so diametral über die Hierarchie verteilt sind.

The Gossip

July 1st, 2007

Montag abend spielt eine der besten zeitgenössischen Bands in Berlin. Vorfreude.



Fotos: Davey Wilson auf flickr

Erwachsenenbildung

July 1st, 2007

In welchen anderen Ländern außer unserem gilt Unkenntnis eigentlich auch als Zierde? Wenn Kinder fragen, sollten Politiker lieber nicht antworten, wie man in diesem Video sieht. (via netzpolitik)

Dazu passend, aber sehr lang und schon etwas älter: Thomas Knüwer über die Generation Web 0.0.

Briten

June 30th, 2007

Es ist schon schwer, Gordon Brown ernst zu nehmen. Er sieht einfach Terry Jones zu ähnlich.

Zusammenfassung

June 24th, 2007

Das war die letzte Woche:

Montag durfte ich auf Einladung des Computerspielemuseums einen Vortrag von Ralph Baer, dem Erfinder der Heimvideospiele, miterleben. Dienstag trafen meine neuen Schuhe per Post ein: Aus Zeit- und Kreativitätsmangel hatte ich einfach bei ebay ein neues identisches Paar meiner arg verschlissenen Adidas-Sneaker gekauft. So war ich dann am Mittwoch wenigstens ordentlich angezogen, um von Herren in gutaussehenden Anzügen zu erfahren, dass ihr Konzern für mich noch nicht bereit ist (mehr dazu in vier Wochen). Donnerstag war ich leider nur im T-Shirt bekleidet auf Tokio-Hotel-Gedächtnismission (“Durch den Monsun“), verpasste Tills Band bei der Fête de la musique, zum Glück aber nicht meinen ICE nach Westdeutschland. Dort tat ich am Freitag mal erstaunlich wenig, während um mich herum alle arbeiteten. Samstag ging es zur Hochzeit von Anika und Frank und am Sonntag sortierte ich Kisten mit Zeug, das von meinen Eltern liebevoll aufbewahrt wurde und wohl mir gehört, auch wenn ich es Ewigkeiten nicht mehr gesehen (und auch noch nie vermisst) habe.

Montag wieder Berlin.

Schöne Schreibfehler (I)

June 16th, 2007

wirtsaften

(Leserkommentar auf welt.de)

All work and no play

June 16th, 2007

Die Zeit vergeht wie im Flug, aber leider bin ich Pilot und Stewardess auf einmal. Aber es geht mir gut.

Trotz Zeitmangel entstand aus einem spontanen Bedürfnis heraus vor einigen Tagen das kreuzkölln alias reuterkiez-blog.

Alle waren schon da

June 5th, 2007

Ein kreativer „Dialog“ in den Kommentaren bei WELT ONLINE zur Frage, wer in der Türkei Anspruch auf Land hätte:

perser meint:
05-06-2007, 00:43 Uhr
Das ganze Gebiet, das die Tuerken und Kurden jeweils fuer sich beanspruchen, ist Teils persisches Gebiet! Das Land Kuroschs!
Wir wollen sie wieder Zurueck haben!

Azyrer meint:
05-06-2007, 00:55 Uhr
Nein Perser,
es waren alles das Azyrisches Gebiet, wenn jemand hier was geltens machen darf, dann wir, die Azyrer!

Syrer meint:
05-06-2007, 00:58 Uhr
TZzzzzz,
dass ich nicht lache, wir ware nvorher da, wir die Syrer, wenn jemand, dann wir! Wir Syrer benaspruchen das Gebiet fuer uns ganz alleine

Hiteter meint:
05-06-2007, 01:00 Uhr
Geht doch alle TEe lutschen, wir habe ursprunglisch hier geackert und Bier gebraut!
Wir sind dort aansaessig gewesen! Wir Hiteter!

Kam alles von derselben IP-Adresse — mal eine kreative Art, seine Meinung zu äußern. Hier: Mutmaßungen über türkische Offensive im Nordirak

Viel Ruhm, wenig Bier

May 20th, 2007

Das war ja ganz nett gestern. Auch wenn ich eigentlich keine Lust auf so einen Getränkemurks habe — wenn man schon umsonst auflegt, dann ist es unverschämt, mit einem(!) Freigetränk für den ganzen Abend abgespeist zu werden. Vor allem bei 30 °C Temperatur und stehender Luft. Kollege Wombat hat dann noch diplomatisch für jeden ganze drei kleine Biere/Limos bekommen, aber das Gezeter darum ist schon peinlich.

Ich bediene die Schallplattenspieler im Eel Pie. Foto von Olivia

Danke an Olivia für das Foto.

Live: Electric Warschau @ Eel Pie

May 19th, 2007

Heute abend im (mir unbekannten) Eel Pie (Saarbrücker Straße 20/21, U Senefelderplatz): Fabians zweite Band Electric Warschau das erste mal live auf einer Bühne, sowie andere mir unbekannte Menschen namens John Merrick und Marcel Hintze.
Hinterher legen noch mongroove und „weitere“ auf, wie das Plakat verspricht. „Weitere“ sind Phillip und ich.